Mit Android Leben ohne GoogleApps

Ich habe einfach ein Selbstversuch gewagt. Ich fragte mich, ist ein Leben ohne GoogleApps auf meinem Smartphone wirklich möglich, oder beraube ich mein Smartphone um seine Funktionalität. Nebenbei klärte sich auch die Frage welche Anwendungen ich wirklich auf meinem Smartphone brauche und welche tatsächlich nicht.

Freiheit

Freiheit bedeutet für viele etwas anderes.
Freiheit auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen ist somit nicht sehr einfach, aber irgendwo treffen sich die Empfindungen und man kann dann sagen, das ist Freiheit und so muss sie sein.

Für mich besitzt die Freiheit auch den Punkt, dass ich mich in meinem Leben unbeobachtet fühle und nicht zwanghaft an etwas gebunden bin, welches nur dem Zweck dient mich als Ware zu sehen. Dies finde ich sogar mehr als Absurd. Ich komme mir bei den heutigen Anbietern herablassend, bevormundet und ausgenutzt vor. Ein Zustand dem ich selbst Wissend keiner anderen Person aussetzen würde. Es verbietet mir einfach der Anstand.

Vielleicht ist es auch die Situation selbst beruflich eine Vertrauensperson zu sein und im Geiste schon die Entscheidung selbst gefällt zu haben. Jeder spielt Situationen einmal im Geiste durch. Das Ausspähen, Aneignen und Verkaufen fremder Daten gehört sich einfach nicht und ich sehe es als „Lebenscodex“. Viele Firmen leben auch Heute noch nach diesem „Codex“ und es ist schön, dass es solche positiven Beispiele noch gibt.
Schlecht, dass man diese so hervorheben muss.

Das freie System?

Android war für mich ein Segen als Betriebssystem.
Anfänglich, doch dann bemerkte ich immer mehr Unstimmigkeiten in dem Begriff Freiheit, wie ich Ihn als GNUler von einem „freien“ Betriebssystem erwartete, aber von Google doch nicht bekommen habe.

Don’t believe the hype

Es ist nicht so, dass nur ich das empfinden habe, auch anderen ging es genau so, wie es z.B. auch der letzte Artikel von Ron Amadeo bei Ars Technica Google’s iron grip on Android: Controlling open source by any means necessary beschreibt.

Man kann sich somit glücklich schätzen, wenn auch ein älteres Telefon wie mein Nexus S noch von CyanogenMod unterstützt wird und man sich nicht selbst in die Quellen stürzen muss.
Natürlich geht es noch besser und freier, aber die Chancen, dass ein Nexus S auch dort noch unterstützt wird sind doch sehr gering

Nun möchte ich nicht eine Grundsatzdiskussion über Android und Freiheit starten, sondern einen kurze Bericht darüber verfassen was ich wie tun und was ich in Kauf nehmen musste, damit ich meine Daten für mich behalten konnte und auch ohne Google doch noch an mein Ziel gekommen bin ツ

Das nackte Smartphone

Da mein Smartphone noch eine komplette Installation inkl GoogleApps auf dem jetzigen Stand von CyanogenMod besaß, habe ich vorab ein komplettes Backup mit Hilfe von clockwordmod recovery in der Version 6.0.2.5 gemacht.

Ich habe innerhalb des Clockwordmod recovery das /system etc. gelöscht und die interne sdcard formatiert.
Das Ergebnis war ein freies leeres Smartphone (( In wie weit man die Hardware frei nennen kann sei mal dahin gestellt. Natürlich können wir nun über die Firmware der Innereien und die Abhör- und Fernsteuermöglichkeiten betreffend Firmwares reden, aber dies sollte an einem geeigneten Abend in einer geeigneten Kneipe geschehen, nicht war?))

Über die Shell, wurde per adb das neue ROM übertragen

⏚ [seraphyn:~] $ adb shell mount /data
⏚ [seraphyn:~] $ adb push Downloads/ROMs/NEXUS_S/ROM/cm-10.1.3-crespo.zip /sdcard/
4906 KB/s (158598203 bytes in 31.568s)

und dieses dann via Clockwordmod recovery > Install zip from sdcard > Choose zip from sdcard auf das Smartphone geschrieben.

Einen Reboot später war ich nun „Googlefrei“ und konnte mit der Einrichtung des Smartphones beginnen.

Das freie Repository

Nach einer kurzen Suche habe ich mich dann für das FOSS-Respository F-Droid für die Installation von Androidapps entschieden, da F-Droid die APKs inkl der Quellen zum Download anbietet. Hier kam aber leider auch die große Ernüchterung, da viele Smartphoneanwendungen, welche ich benutze, dort nicht zu haben sind.
Wichtig zu Wissen ist, dass viele nicht im ersten Moment in der Suche auf meinen Smartphone erschienen, da, natürlich richtigerweise, sie in der Auflistung geblockt werden.

Es werden Anwedungen anhand von folgenden Kriterien, bzw. unerwünschten Funktionen geblockt:

  • Werbung,
    Anwendung, die Werbung enthalten
  • Verfolgung
    Anwendungen, welche Ihre Aktivitäten aufzeichnen und melden
  • Add-Ons
    Anwendungen, die unfreie Zusätze bewerben
  • Netzwerkdienste
    Anwendungen, die unfreie Netzwerkdienste bewerben
  • Abhängigkeiten
    Anwendungen, die von unfreien Anwendungen abhängen.

Und somit konnte es zu einem ersten verwirrten Post wie diesem hier kommen:
FDroid_KeinFirefox_GPlus
Aber Dank der Kommentatoren wurde mein Fehler schnell korrigiert und ich verstand leider auch ein Haken an der Insellösung F-Droid, welcher mir später noch öfters auffallen wird.

Die Einstellungen betreffend der oberen Punkte hätte ich also vorher in den Einstellungen vornehmen müssen. Aber wer hätte denn eigentlich gedacht, dass Firefox unter eine dieser Kategorien fallen würde.

Somit habe ich alle mir wichtigen Anwendungen aus dem Repository von F-Droid installiert, aber musste auch feststellen, dass einige, auch offene und mir wichtige Anwendungen dort nicht zu bekommen waren.
Wie ich schon vorher Angesprochen habe, F-Droid ist eine leichte Insellösung, denn es wird nur jenes angeboten, welches im Forum vorgeschlagen wurde und den Submission Queue durchlaufen ist.
Insellösung eigentlich nur in dem Sinne, da es noch nicht genug Anwender nutzen und Vorschläge, sowie Spenden an das Projekt machen.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen

Gestohlen wird nicht, sondern von dem Tablet kopiert Period.

Da ich noch ein Tablet mit Android und natürlich noch mit dem Googleaccount verknüpft besitze, konnte ich alle mir noch wichtigen Anwendungen aus dem Store per ES Dateiexplorer von dem Tablet kopieren und auf dem Telefon installieren.
Somit musste ich nicht auf meine Kaufversionen verzichten. Leider wurde es mir nicht einfach gemacht alle Anwendungen zu nutzen und somit habe ich auf einige verzichten müssen, da sie zu sehr mit dem Googleaccount verzahnt waren.
Bei manchen hatten ich aber auch das Glück, dass sie nur ein zwei Optionen nicht mehr anboten.

Dazu zählten:

  • JuiceSSH, läuft nicht als Vollversion da der Googleaccount fehlt
  • SwiftKey, kein Lernmodus mehr, da die vorgesetzte Abfrage des Clouddienstes ein Googleaccount voraussetzt
  • Battery Widget Reborn, lies sich erst überhaupt nicht kopieren, auch nicht mit Titanium backup
  • 1Weather aktualisiert sich manchmal nicht richtig und auch das Radarbild ist an Google gekoppelt

Synchronisierung

Der Verzicht auf Luxus und Automatismus muss nicht sein

Meine Mails werden natürlich wie eh und je mit K9-Mail abholt und hier hat sich auch nichts verändert.

Für die Synchronisierung meiner Dateien setze ich im Moment noch folderSync ein, da ich der Anwendung von Owncloud noch nicht traue.
Die Anwendung für Owncloud gibt es aber auch im Repository von F-Droid, sowie habe ich sie damals auch im Playstore erstanden.

Für die Kontakte und den Kalender, welche beide von Owncloud gestellt werden, setze ich das Gespann CardDav-Sync free und Davdroid ein. Das funktioniert sehr Gut und bis Dato gab es keine Herausforderungen in irgendeiner Funktion.

Die Synchronisation von Firefox wird mit FSyncMS ( Synchronisation für Firefox auf dem eigenen Server )vorgenommen.

OsmAnd~ ist, wie auch vorher schon, für meine Navigation zuständig.

Tasks habe ich noch nicht installiert, soll aber sehr Gut mit Owncloud funktionieren, wenn man im Backend unter Apps > Tasks in Owncloud aktiviert.

Als Ersatz für ReadItLater werde ich auf Poche wechseln, welches aber der kommende Artikel beschreiben wird.
Wiederkommen lohnt sich also ツ

Soziales Leben

Gibst Du mir eine API, dann kommuniziere ich mit Dir

Google+ kann ich leider nicht auf Grund einer fehlende API und damit einem fehlendem FOSSClient bedienen.

Für Twitter habe ich mich für Twidere entschieden, welches seine Aufgabe gut meistert und mich wieder öfter dazu bringt das Microblog zu nutzen. Aber ich muss zugeben Twitter ist nicht Favourite.

Fazit

Toll.
Mein Akku hält nicht nur gefühlt länger, auch das Leben mit dem Smartphone macht wieder richtig Spaß und ich muss nicht wirklich auf meine Anwendungen verzichten.

Ich habe Ersatz für viele Anwendungen gefunden.
Nach langem Hinterfragen habe ich Anwendungen wie z.B. den ESDateiexplorer doch als APK noch installiert, da ich leider kein Pendant dafür unter F-Droid oder in der FOSS-Welt gefunden habe.
Lieber wäre es mir gewesen dies nicht zu tun, aber ich bin für die Zukunft guter Dinge und werde auch über FOSSanwendungen betreffend Android berichten.

Bei den Kaufapps regt es mich schon auf, dass sie so stark mit dem Googleaccount gekoppelt sind, denn man hätte es auch anders machen können, wenn man wirklich wollte.

Ich fühle mich ein Quentchen freier.

Wer also sein Telefon als Arbeitsgerät benutzt und auch die Daten in der eigenen Hand wissen möchte, mit einem V-/Rootserver und ein klein wenig offener Software ist die Möglichkeit jetzt gegeben, denn mit Android Leben ohne GoogleApps ist mehr möglich.

Viel Spaß beim nachmachen und danke fürs Lesen des Artikels

Das Logo ist von der FSFEurope Free your Android Campaign unter der CC lizensiert

Mit Android Leben ohne GoogleApps
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10 Gedanken zu „Mit Android Leben ohne GoogleApps

  • 2013-10-26 um 20:03
    Permalink

    Super Artikel. Für das Übertragen der Apps braucht man aber nicht unbedingt ein anderes Telefon/Tablet, man kann sie sich ja auch per USB auf den Rechner und wieder zurück kopieren.
    Wenn man gar nicht auf die gapps verzichten kann, gibt’s auch noch OpenPDroid.

    Antworten
    • 2013-10-26 um 21:30
      Permalink

      @Saddy Danke für den Lob, solch ein Feedback freut immer
      Also für die Kaufapps brauche ich schon mein Tablet, wie soll ich sie denn sonst ohne Playstore bekommen bekommen ;)
      Und wie ich schon sagte möchte ich ganz von Google in dem Punkt weg und nicht etwas drumherumfrickeln mit z.b. OpenPDroid und einem Pdroid Manager.
      Aber um nochmal auf Punkt 1 zu sprechen zu kommen, eigentlich nur noch FOSS-Produkte einsetzen das wäre mir am liebsten.

      Antworten
      • 2013-10-27 um 13:27
        Permalink

        Ich meine damit, wenn du vorher eh die gapps installiert hattest, kannst du die apk’s deiner installierten Apps auf den PC sichern und nach dem entfernen der gapps wieder zurück aufs Handy kopieren.
        Eine andere Möglichkeit wäre evtl. den Genymotion Android Emulator für Linux zu verwenden, sich die gewünschten Apps dort zu installieren, und dann zu versuchen an die apk’s zu kommen. Wie man auf Dateisystemebene an das Genymotion Image zugreift weiß ich zwar nicht, aber evtl. lassen sie sich ja mit Wireshark extrahieren.

        Grüße

        Antworten
        • 2013-10-27 um 13:51
          Permalink

          Du ich habe dich schon verstanden nur bräuchte ich dann eine weitere Instanz welche mir die neuesten Updates meldet welche zu meiner Kaufsoftware vorhanden sind.
          Da müsste ich ja wieder die Gapps aufspielen und wieder löschen etc.

          Natürlich kann man einiges in dem Punkt hacken, auch könnte ich z.B. Squid sagen es soll die apks speichern und anhand eines Scriptes dann per Mail zusenden, aber auch hier bräuchte ich eine zweite gepflegt Instanz welche Kontakt zu Google hält.

          Ich habe mir da lange meine Gedanken gemacht um Google ganz los zu werden und meine apks nicht wirklich zu verlieren. Die Lösung mit dem minimalsten Aufwand war jene mit dem Tablet, da ich ja jenes sowieso nutze um google+ zu bedienen.

          Auch könnte man natürlich VirtualBox oder Konsorten nehmen, wenn man keine zweite Instanz hat und in dem Fall den Playstore nutzen, da gebe ich Dir Recht.

          Antworten
  • 2013-10-27 um 2:31
    Permalink

    Sehr schöner Artikel. Wünschte mir ich könnte auch so konsequent sein aber leider habe ich nur das eine phone und damit wird es zu schwierig rein Foss zu fahren.
    Du könntest dir mal aus dem f-droid repository den ghost commander anschauen, vll bekommst du mit dem den es-file Explorer ersetzt.

    Antworten
    • 2013-10-27 um 7:10
      Permalink

      Ich habe mir schon alle angeschaut, von Ghost Commander, über FileExploorer, zu OpenManager etc
      Leider bieten die nicht alle die Protokolle an, welche der ESDateiexplorer anbietet und ich trete da auch auf der Stelle.
      Ein guter Anlaufpunkt findet sich auch noch hier auf AOpenSource.com

      Antworten
  • 2013-10-27 um 12:20
    Permalink

    Betr.: Owncloud
    Als wolkigen Fileserver habe ich nun Seafile auf einem Vserver installiert und bisher keine Probleme.
    Allerdings ist das kein Ersatz für Termine der Owncloud. Da könnte dir Thunderbird + Lightning helfen in Verbindung mit dem von dir erwähnten FSyncMS. FSyncMS gleicht bei mir nur die Adressen ab.

    Werbung ist für mich übrigens nicht so problematisch, immerhin finanzieren sich so einige Dinge die man unbewusst nutzt. Schlimmer ist die staatliche Schnüffelei. Wenn man bei jedem Gedanken erst denken muss schadet es mir in der Zukunft, ist es aus mit der freiheit der Gedanken. Man weiss ja nicht wie sich der Staat entwickelt und so selbstzufrieden wie sich die Bürger alles gefallen lassen kann ich mir alles vor stellen. ;-)

    Antworten
    • 2013-10-27 um 13:44
      Permalink

      Ich nutze aber lokal nur mutt und keinen Kalender, somit auch kein Thunderbird ;)
      Seafile hatte ich auch schon in Betracht gezogen, aber da eine ganze Familie mit an der Cloud hängt, war mir die einfachste Variante mit Owncloud gegeben.
      Da auch Kunden gerne danach fragen ist es ziemlich Gut es auch selbst zu benutzen, denn Kunden zahlen auch manchmal das entbuggen von freier Software ;)
      Gegen Werbung habe ich nichts Gott bewahre, ich freue mich immer wenn Jemand eine kleine Belohnung für seine Arbeit bekommt.

      Antworten
  • 2013-10-29 um 10:56
    Permalink

    Was nehmt ihr als Alternativen für GMail, Google Calander sowie Google Contacts?
    Ich versuche nun über meinen Hoster, der Open-Exchange sowie ownCloud anbietet da was zu machen, hat da jemand Erfahrung?

    Antworten
    • 2013-10-29 um 11:11
      Permalink

      Geht aus dem Text hervor.
      Owncloud und für Gmail funktioniert jeder Mailprovider.
      Auch gibt es für Owncloud eine Roundcubeapp um genau jenes einzubinden.
      Auch habe ich mir durch massive Werbung für Deinen Hoster das Recht genommen, den Namen, sowie die URL des Hosters zu löschen.
      Andererseits wäre es in meinem Spamfilter gelandet, welches bei der Fragestellung auch klar ist.
      Falls Dir dieses nicht passt, kannst Du es gerne hier Kund geben, aber ich denke, dass Dein Hoster nichts mit der Frage zu tun hat.

      Antworten

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